2017-07-20

Königliche Nebenschauplätze

Der gestrige Tag lief gestern nicht so wie geplant. Auf dem Weg zu einer Freundin, der ich die wundervolle Welt des Blogschreibens näher bringen wollte, führte mich mein Weg am Holocaust Denkmal entlang. Dieses wurde gestern vormittag präpariert für den Besuch der Herzogin und des Herzogs von Cambridge. Präpariert heißt zu diesem Zeitpunkt, es standen Absperrgitter herum. An der Straße bewachten diverse Mannschaften den Straßenbereich und eine Firma verlegte Kabel, längs rund um das Mahnmal. Und anstatt, dass sie diese Kabel gleich unterhalb der Bordsteinkante verlegten, verlegte sie sie im rechten Drittel längs entlang auf dem Radweg.

Nun sind solche Schikanen bekannterweise auf Radwegen verpönnt, weswegen man schon seit Jahrzehnten keine Radwege mehr mit minimal erhöhten Schwellsteinen, wie früher als Sicht- und Fühlkante installiert, anlegt.

Links stand eine Dame mit einem geschienten Arm und unterhielt sich mit einem der Polizisten am Polizeiauto und vorausschauend Rad fahrend, sah ich, dass beide ihr Gespräch offensichtlich beendet hatten und die Frau sich wieder zum Mahnmal umdrehen wollte. Da nun die Möglichkeit bestand, dass sie auf den Radweg tritt ohne auf den Radverkehr zu achten, ich aber auch schon zu nahe dran war, um zu klingeln oder noch zu bremsen wich ich vorsichtshalber nach rechts aus, wo diese vermaledeite Kabel den Reifen meines Fahrrades die Haftung entzog und dieses unter mir wegrutschte, was in physischer, ganz logischer Konsequenz zu einem akuten Stoppmoment dank asphaltösem Aufprall führte.

Soweit so schnell so doof gelaufen. Hätte nicht passieren müssen, würden Menschen nicht immer wieder Fahrradwege als Straßenbereich zweiter Klasse erachten. Und das ist das, was mich an der Sache auch etwas sauer macht.



Was praktisch ist, fällt man vor einer versammelten Polizeimannschaft auf die Fresse (im wahrsten Sinne der Berliner Umgangssprache, denn ich stoppte mit meinem Kinn), es wird sich vom ersten Moment an höchst professionell gekümmert. Vielleicht auch zu schnell, denn bevor ich mich sortiert hatte nach einem Schmeck- und Tastbefund, dass noch alle Zähne an Ort und Stelle sind (Halleluja!), wurde ich auf eine Wagentreppe gesetzt, bekam eine Wasserflasche in die Hand gedrückt gegen das Zittern und kühlte man mir den verletzten Arm (nur Prellung und Schürfwunde) und hielt mir eine Mullbinde ans Kind, wo die „kleine” Platzwunde meinen Rock voll blutete. Sie hielten die arme Frau fest, die nun wirklich nichts für meinen Unfall konnte, was mir wahnsinnig leid tat. Die aber sehr reizend und verständnisvoll war (die Schiene am Arm trug sie nach einem Radunfall). Sie riefen die Polizeistreife, die später den Unfall aufnahm. Und sie riefen einen Rettungswagen, nachdem ich anmerkte, dass ich beim Aufprall den Nacken deutlich nach hinten überzogen hatte und das Hirn beim Aufprall hübsch hin- und her schwappte.

Währenddessen hatte man dafür gesorgt, dass das dämliche Kabel an dem ich gestürzt war, nun im Bordstein verschwunden war, legte aber mittlerweile die nächsten beiden Kabel wieder in gleicher Manier über den Radweg! Und da war ich auch richtig sauer. Der Mann mit Papierunterlagen, der die Kabel kontrollierte und dem ich – dann doch stinksauer – mein Kinn zeigte und ihm erklärte, dass ich so aussehen würde, weil sie gerade prima Unfallmöglichkeiten in die Strecke bauten, hat's abbekommen. (Ich fand allerdings auch uncool, dass die beistehenden Beamten, die meinen Sturz mitbekommen hatten, das auch wieder so zugelassen hatten.)

Soweit so blöd. Die Sanitäter kamen, legten mir die Halskrause an und ich machte zum ersten Mal in meinem Leben die Erfahrung in so einem Rettungswagen liegend Berlin im Rückwärtsgang zu erleben. Was auch ganz interessant ist, also auf diese Art von Transport sich geographisch zu verorten. Man überließ mir die Entscheidung, ob ich in die Charité oder ins Bundeswehrkrankenhaus gebracht werden wollte. Da ich – als Patient, so ich das irgendwie vermeiden kann – nie die Charité betreten werde, entschied ich mich für die Bundeswehr. Das hat den besonderen Vorteil, dass man dort von hübschen Menschen in schmucken Uniformen empfangen, behandelt und betreut wird. (Pfleger und Assistenzärzte selbst ist natürlich eher im aufmunternden fliederfarbenem Kittelstyle unterwegs.)

Das Bundeswehrkrankenhaus hat ein grandioses Feature: wird man nämlich von der Notaufnahme zum Röntgen gefahren, muss man einen Weg überwinden, der eine erstaunliche Steigung aufweist. Damit, falls einem der Uniformierten vielleicht doch mal der Rollstuhl oder das Krankenbeet entgleist, die Abfahrt zwar ungünstig aber vielleicht nicht überschnell ihren Weg nehmen wird, baute man in die Steigung hin- und wieder Schwellen ein. Diese Schwellen im Krankenbett mit gutem Tempo durch zu fahren, das ist wie Achterbahn für Dreijährige. Ein – im Sinn der an sich von vorne bis hinten unnötigen Sache – durchaus vergnüglicher Moment.

Die Röntgenaufnahmen vom Arm und HWS-Bereich ergaben zum Glück keine Verletzungen, die Platz- und Schürfwunde am Kinn musste nicht mal genäht werden (Strike!), die beiden ultragroßen blauen Hämatome am Oberschenkel haben den riesigen Vorteil, dass ich mir den Lenker dahin geschoben habe, wo er vergleichsweise weniger Schaden anrichtet als wenn er im Unterbauch in der Milz gelandet wäre. Die Prellung im Ellenbogen einschließlich die Schürfwunden am Körper verteilt, werden heilen. Da ich mittlerweile offensichtlich beim Stürzen im advanced level spiele, habe ich dieses Mal sogar die Knie unberührt gelassen. 'Ne leichte Gehirnerschütterung und ein gesamtes Körperempfinden, das man halt so hat, wenn man mit 20-30 km/h auf dem Asphalt landet kurz: prellbockt, das kenne ich und werde ich lässig überstehen. Das Krankenhaus arbeitet übrigens angenehm zeitgemäß bei dem, was man in Deutschland Schleudertrauma nennt (und in anderen Ländern der Erde, wo Versicherungen für derartige Bagatellreaktionen keinen Schadensersatz zahlen). Kaum kam die schriftliche Bestätigung vom Radiologen, dass der Halswirbelbereich unverletzt ist, kam die Halskrause wieder weg.

Wie es dem Rad geht, ist noch vage. So sieht es gut aus, Kette ist sichtlich runter gesprungen. Ob richtig was kaputt gegangen ist, muss ich dieser Tage sehen.

Unterm Strich: dumm gelaufen – aber ich hatte auch wieder einmal mehr Glück als Verstand. Realisiert, dass ich so viel Gedöns um meine Person einfach nicht mag. Das hat mich mittlerweile jeder gefragt und nein, ich habe keinen Fahrradhelm getragen. Und ja, es ist natürlich viel intelligenter einen zu tragen. Trotzdem: ich hätte jede meiner gestrigen Verletzung auch mit einem Helm davon getragen, denn bei dieser Art von Sturz hätte er überhaupt nichts verhindert. Vielleicht hätte ich dann aber doch einen Kieferbruch gehabt, weil für die Art von Sturz die Schnalle dumm gesessen hätte bzw. wäre der Nackenbereich noch weiter überdehnt worden. Ein Helm bietet ganz sicher Vorteile. Und manchmal eben auch Nachteile.

Sehr merkwürdig: die Frau, die mir im Röntgen die Bleischürze umlegen und zielsicher sagte: „Schwanger werden Sie ja nicht mehr sein.” (Ich habe mich offensichtlich weniger schon an die 50 gewöhnt als ich mit der dazugehörigen Schubladisierung sympathisieren möchte.)

So süß: Der sehr junge uniformierte erst- oder zweisemestrige Beisitzer, der mir bei der Ausreinigung der Wunden durch die Schwester erklärte, „seine Oma hätte immer gesagt, bis ich heirate, sei das wieder vorbei.”

Sehr dankbar: allen, die sofort helfend bereit standen und sich gekümmert haben (ja, auch wenn es vielleicht eh deren Job ist: es hat gut getan.)

Sehr glücklich: dass man in einem kurzen Moment des Selbstmitleids eine Freundin anrufen kann, die alles stehen und liegen lässt und durch die halbe Stadt fährt, um einen in den Arm zu nehmen und nach Hause zu transportieren, ein tolles Abendessen kocht und da ist für einen.

Sehr nachdenklich: wenn die Patientin im Nebenraum in der Notaufnahme mit starken Unterbauchschmerzen nach dem Ultraschall die Diagnose Tumor bekommt. Und auch wenn der Arzt ihr erklärte „für uns ist ein Tumor erst einmal nichts Bösartiges”, relativiert es das eigene Geschehen und Schmerz sofort.

Verhältnis empfindsam gestört: Wenn William zum gestrigen Tag in Berlin meint: „We have already had a fascinating first day here in Berlin.”, kann ich nur sagen: „Same here! Nur anders doof.”

Bitte merken: nie Dinge längs auf bzw. direkt an Radwegen grenzend verlegen. Für Zweiräder ist so etwas unter Umständen tödlich. Quer verlegt, kann man überfahren, längs ist wie Schienen in der Straße.

2017-07-17

Grüße aus der Küche!

Na kommt, gebt es zu – es ist eine großartige Zeit diese Sommerzeit, auch wenn man sehr viel von ihr in der Küche verbringt. Ich für meinen Teil habe jetzt schon zwei „Großeinkäufe” auf den Berliner Märkten hinter mir. Insgesamt vier Stiegen Tomaten (gelbe sehr süße Cherrytomaten und rote Rimini). Die Gelben sind schon als Sugo eingekocht, die Roten köcheln gerade auf dem Herd. Das wird herrlich werden im Winter, Pasta geschnitten, Glas auf – tomatiges Sommerglück, ganz intensiver Sommergeschmack und kein Hauch Konservierungsstoff!







Im letzten Sommer schon hatte ich die sehr große Freude beim foodiemeetup Berlin einen Dörautomaten von Klarstein zu gewinnen. Ich werde ihn Euch noch einmal gesondert ans Herz legen (aus Gründen der Glückseligkeit). Ich dörre war das Zeug hält, hier zum wiederholten Male Liebstöckel (Maggigewürz), das gemahlen wird und in großen und kleinen Dosen nur Gutes bewirkt im den Töpfen!



Und Aprikosen habe ich dieses Jahr gedörrt! (Wie auch Mangos, Birnen, Äpfel und und und …)



Sauerkirschen werden ich noch dörren! (Ich liebe Sauerkirschen in allen Varianten – aber besonders gerne getrocknet als Chipsersatz). Diese lässigen zwei Kilo sind mir Samstag auf dem Markt zugelaufen.



Aus Brandenburg, so klein, so saftig, wenngleich sie für meinen Geschmack mehr Säure hätten haben dürfen (die Gesichtsmuskeln verziehen sich nicht, was das oberste Gebot bei Sauerkirschen eigentlich ist: Grimassenbildung.) Jetzt sind sie entsteint, das mache ich übrigens sogar sehr gerne und in die Tiefkühltruhe gehüpft. Vermutlich wandern sie irgendwann einmal in einen Hefemantel oder in eine Biskuitrolle, Käsekuchen? Oder als Grill-Dipp? Ach, Sauerkirschen – ihr Königinnen aller Kirschen!


Journelle …

… hat gesprochen, also geschrieben, ganz wunderbar auf den Punkt gebracht!

„Mir ist es egal als dick, unfickbar, alt oder was auch immer zu gelten. Meine Existenz ist nicht an meine Attraktivität oder einen Prinzen gekoppelt. Ich führe eine Partnerschaft keine Herrchen-Hund-Gemeinschaft.”


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Dieser Artikel ist nicht von Journelle, dafür ein Gespräch mit der Arbeitsrechtlerin und Bloggerin Nina Strasser, die sehr deutliche Worte zur Situation von Eltern – und hiermit die Sonderstellung der Frauen – in der Arbeitswelt findet:

Heterosexuelle Paare können aber im Schlafzimmer keine Runde Schnick-Schnack-Schnuck spielen, um zu klären, wer das nächste Kind zur Welt bringt. Als Folge entsteht eine Diskriminierung von Frauen und Müttern, die so allgegenwärtig ist, dass sie uns gar nicht auffällt.

2017-07-15

Trau Dich!

Letztes Jahr in der Maßnahme hinsichtlich des Plans für Glück und Lebensfreude (PGL) die Leistungsfähigkeit im Rahmen der Krankheit erprobt und elegant auf die Nase geflogen. Erschrocken gewesen und mich unter ein riesengroßes Blatt zurück gezogen wie die Raupe im Regenguss. (Tun Raupen das überhaupt?)

Diese Woche mich vom Wahnsinn packen lassen – nach einer Woche seelischen und körperlichen Gemeinschaftsblues – und mich in der Volkshochschule (ich liebe dieses Wort so sehr, hoffentlich kommt nie so eine BWL-Master-Grünnase auf die Idee diesen Namen reformieren zu müssen) für einen zweiwöchigen Intensivkurs Italienisch angemeldet. Startet übernächste Woche. Bildungsurlaub quasi. Vorfreudige Angst. Drückt meinem matschigen Hirn bitte die Daumen, dass es mitspielt und durchhält.



Und ich habe jetzt einen Garten. Es ist ein knapp vier Meter mal zwei Meter fünfzig großer Garten, ein Vorgarten. Die Nachbarin von gegenüber und ich, wir haben beschlossen, wir machen das jetzt mal. Denn wenn wir einerseits dafür sorgen wollen, dass sich hier die Anlage nicht dem nebenan wohnenden und immer mehr zu uns hinüber wuchernden Drogenhandel ergibt, dann muss man eben Präsenz zeigen. Und diesen Leuten zeigen, dass uns das hier wichtig ist. Am Herzen liegt. Vorgartenpflege ist da ein ganz gutes Werkzeug, viele Dinge mit den Nachbarskindern draußen machen auch. Also haben wir einen Antrag gestellt, einen Pflegevertrag bekommen und den Schlüssel für den Wasserhahn mit der Anmerkung, wir sollen uns darauf gefasst machen, dass uns Nachbarn wegen des Wasserverbrauches anzählen werden. Aber wir ziehen das jetzt durch. Die Nachbarin mit Steinen, ich mit geometrischen Beeten und Farbkombinationen.

Es ist lustig, denn plötzlich fangen auch andere Nachbarn an, die noch brach liegenden Vorgärten zu begärtnern. Beziehungsweise bekommen andere wieder Schwung, sich neu um ihre zu kümmern. Wir kommen mit länger hier ansässigen Nachbarn ins Gespräch mit denen man bisher nicht so viel zu tun hatte. Die meisten von ihnen freuen sich, geben Tipps aus langjähriger Gartenerfahrung, reichen im Keller seit Jahren wartende Schläuche weiter. Man kommt sich näher. Bisher nur Kritik von zwei Nachbarinnen aus dem eigenen Haus. Muffellantinnen. Ausgerechnet von einer, die das halbe Jahr draußen im eigenen Garten lebt. So drollig kann es gehen.

Das letzte Stück Teilbeet (der Kreis) haben mir die Nachbarskinder nach dem Abstechen vom Rasen befreit. Dafür habe ich ihnen gezeigt, dass Steine, wenn man sie ganz doll aneinander schlägt nach Feuer riechen. „Feuerstein!” Wir zählen Regenwürmer zusammen. Regenwürmer in frisch ausgehobener Erde zu finden, ist nämlich der absolut heiße Scheiß! Die dicke Wurzel hatte ein Nachbar für mich frei geschaufelt, damit ich für die Rose tiefer ausheben konnte. Plötzlich bleiben Nachbarn stehen, greifen nach dem Spaten und buddeln ein paar Minuten lang mit. Es geht am Anfang ziemlich ins Geld – aber es macht viel Spaß, auch wenn es es sicherlich erst im nächsten Jahr richtig schön werden wird. Ich habe schon zwei Röschen und die riesige Buschmalve, die den halben Balkon im Kasten dunkel legte, freundet sich unten langsam mit ihrer neuen Wurzelumgebung an. Irgendwann werde ich in der Umrandung der Beete den perfekten Golfrasen gepflegt haben. Es wird irre werden. (Habt Ihr mal gegoogelt, was es alleine für grandiose tolle neue Tulpen-Züchtungen es gibt auf dieser Welt?)

Nun, ich traue mich also. Ich sage nicht, dass es stetig aufwärts geht aber es geht vorwärts.

Sorry lieber Handel – aber so dann doch nicht!

Vor einigen Wochen haben sich die Akkus, exklusiv für das Blitzgerät der Kamera verwendet, verabschiedet. Die erste Generation von Sonys NiMH CycleEnergy Akkus. Akkus, die geladen kommen, die man nicht komplett entladen muss, der Ladezyklus erstaunlich lange hält auch wenn sie nur herum liegen und die sehr schnell wieder aufgeladen sind – dafür im Vergleich zu früheren Akkutechniken relativ häufige Ladezyklen haben. Wenn ich das richtig zurückrechne, hatte ich diesen einen Satz seit 2012 im Einsatz. Fünf Jahre. Das ist okay.

Aber irgendwie hatte ich einen Neukauf verschlafen und nun steht Dienstag ein Fotohappening an bei dem ich zur Sicherheit Akkus haben möchte, denn ich kenne den Ort nicht an dem fotografiert wird. Nun war also etwas Eile angesagt. Das Internet hatte Preise aufgerufen, die – auch für das Produkt der Konkurrenz namens Eneloop Pro – ab 12 Euro begannen und so ging ich los in den hiesigen Handel mit dem festen Entschluss, die Akkus dort zu kaufen, würden sie irgendwas bis 16 Euro kosten. Dieser Handel aber wollte sage und schreibe 19,99 Euro für einen Vierersatz!

Und da muss ich jetzt mal ganz ehrlich sagen, da greift auch die Argumentation „Ladenmiete, Personalkosten” auch nicht mehr bei mir. Fünf Euro mehr für so einen Artikel, den die auch in großen Mengen und daher zum Spitzenpreis einkaufen? Da fühle ich mich veräppelt. Zumal ich es bin, die den Weg zu Euch hin macht – nicht das Päckchen den Weg zu mir. Sorry, aber so schafft man sich dann doch ab und nein, ich werde nicht mit Eurem Fachpersonal diskutieren, ob die mir so eine Packung Akkus zu einem normalen Preis reduzieren wollen. So ein Preis ist dann Wucher und das läuft nicht mit mir.

Bin dann zurück nach Hause gefahren, habe den Satz (im Blister MIT Plastikcase) für 13,49 Euro inklusive Versand Donnerstag bestellt, heute waren sie im Briefkasten.

Saturn und Mediamarkt, kommt mal wieder auf die Erde!

2017-07-12

Telefongedöns

Dummerweise musste ich mich neulich von meiner SIM-Karte aus dem Jahr 2004 verabschieden. Eine neue SIM-Karte habe ich heute erhalten, aber ich fürchte mein Telefonbackup mit den Rufnummern ist … nicht mehr ganz aktuell.

Es wäre schön, wenn Ihr, die Ihr meine Telefonnummer (endet auf -48) habt, mir eine kurze SMS senden könntet mit Eurem Namen, damit ich Eure liebevoll neu einsortieren bzw. speichern kann kann.

(Aus der Reihe: seufz!)

2017-07-11

War ich heute wandern …

Heute war ich mit der Nachbarin, dem Hund, ihrer Tochter zum wandern verabredet. Erst wollten wir nach Buch, dann habe ich Werder vorgeschlagen und wir haben ratzfatz umdisponiert, sind mit dem Regionalzug in 30 Minuten am Werderschen Bahnhof ausgestiegen und haben diese lustige Wanderung gemacht.

Am Entenfang haben wir traditionell ein Picknick abgehalten mit schätzungsweise fünf Millionen schrecklich unterernährten Mücken und einer Spinne. Dann fing es an zu regnen. Erst ein bisschen, dann etwas stärker, dann ganz stark. Bei ganz stark haben wir beschlossen den benachbarten Hochsitz zu entern. Während die Nachbarin irgendetwas von „erstmal gucken, ob der überhaupt offen ist” erzählte und ich sie fassungslos anguckte – ich kenne nur offene Hochsitze – wurde mir erklärt, dass in Mecklenburg Vorpommern einerseits Hochsitze wie die Windräder aus dem Boden schießen würden und alle mit Metallschlössern gesichert seien. Die sind komisch, da im nördlichen Osten.



Unser Hochsitz hier hatte zwar auch eine Tür aber die war nur mit einem Holzriegel dicht gemacht und hinter dieser Tür verbarg sich ein netter, kleiner, fast trockener Aufenthaltsraum – mit Teppich ausgelegt. Also die Sitze und ein Teil des Boden. Hochsitz mit Auslegware. Muss man erst mal drauf kommen! War aber auch gleich viel gemütlicher.



Jedenfalls hatten wir dort eine schöne deutlich weniger nasse Zeit, der Hund seine Ruhe vor dem Donner und wir alle eine ganz passable Aussicht. Übrigens war der Eierverkäufer vom letzten Mal leider nicht da, seine Hühner auch nicht und überhaupt war die Strecke gefühlt viel kürzer als bei der ersten Begehung. Aber schön!

2017-07-08

Rant

Es gibt vier Situationen in den mich meine deutschen Mitmenschen im Alltag so dermaßen nerven, dass ich sie regelrecht abstoßend finde, weil sie in solchen Momenten unter Beweis stellen, dass sie nur in sich selbst die größte Heiligkeit sehen. Und es ihnen mehr als egal ist, was mit anderen Mitmenschen passiert bzw. es ihnen ergeht – und sie sich durch unfaires und unhöfliches Verhalten dem anderen Gegenüber minimale Vorteile verschaffen. Vorteile auf die man, bei genauerem Hinsehen, auch prima pfeifen könnte, weil sie einem im Grunde kein Stück weiter bringen.

• Menschen, die im Supermarkt hinter mir in der Schlange stehen und sobald eine neue Kasse aufmacht, einen von ganz hinten über den Haufen rennen. Anstatt die eine Sekunde zu warten, dass alle anderen, die schon vor ihnen – also länger – in den Schlangen stehen, die Möglichkeit erhalten sich neu einzureihen, so dass alle gemeinsam fair von der neu geöffneten Kasse profitieren können.

• Autofahrer, die nach Bildung einer Rettungsgasse und Durchfahrt des Fahrzeuges mit Sondergenehmigung unter Blaulicht, sich an diese Fahrzeuge hinten ran hängen und damit den vorne in der Gasse stehenden Fahrern in ihren Fahrzeugen nicht die Möglichkeit geben, die ungünstige Verkehrssituation durch schnellstmögliche Wiedereingliederung in den Verkehr aufzuheben. Davon abgesehen, dass sie in solchen Verkehrssituation unnötige Risiken schaffen, sorgen genau die nämlich dafür, dass heute keiner mehr mal eben eine Rettungsgasse bilden möchte. Diese Leute gehören m. E. genauso unter richtig hohe Strafe gestellt, wie die, die keine Rettungsgasse bilden.

• Deutsche, die sich über andere englisch sprechende Deutsche lustig machen, weil diese mit einem mehr oder weniger deutschen Akzent Englisch sprechen. Überhebliche Mitmenschen, die sich über die Talente von anderen erheben und die a) erst mal unter Beweis stellen sollten, ob sie es wirklich besser können und b) einfach kapieren sollten, dass Nichtmuttersprachler Fremdsprachen nun mal so gut wie nie akzentfrei sprechen. Und das ist so okay so, weil: sie sind keine Muttersprachler. Und nirgendwo auf dieser Welt hat irgendjemand ein Gesetz erlassen, dass man Fremdsprachen perfekt und akzentfrei sprechen können muss! Man kann es gerne versuchen. Aber man muss es nicht können!

• Autofahrer, die beim links abbiegen langsam in die Kreuzung auf den Rad- und Fußgängerweg zufahren, weil die von ihnen zu kreuzende Straße zwar bereits autoleer ist, während z. B. ich noch auf dem Radweg unterwegs bin und in der Grünphase kreuzen möchte. Das Einzige, was solche Autofahrer damit erreichen ist, dass ich langsamer, weil jetzt erst recht bremsbereit auf dem Rad fahre. Denn ich fahre für mich vorausschauend und ich kann nie sicher sein, ob mich der Autofahrer wirklich gesehen hat, wirklich für mich hält oder nicht vielleicht doch versehentlich das Bremspedal mit dem Gaspedal verwechselt. Kurz: das Einzige, was dieses Verhalten bei Radfahrern oder Fußgänger erreicht, dass sie unsicher und somit langsamer werden. Schneller räumt man selbst so die Kreuzung also garantiert nicht.

Anmerkung: Mir ist auch klar, dass solche Phänomene keine rein deutschen Phänomene sind aber da ich nun vorrangig in Deutschland lebe, fallen sie mir hier besonders im Alltag auf.

2017-07-07

Weinkellerkatze



Diese hübsche rote Katze hat ein feines Leben. Sie lebt in einer Wein-Cooperative in Gugagnano im Salento und sorgt dort für poussierlichen Zuspruch der Mitarbeiter (die ihr durchaus ein Kuschelkissen hingelegt haben in der Kelterei) und etwas Schrecken unter den Mäusescharen.



2017-07-06

Straßenkommunikation

Heute früh habe ich gebrüllt. Aber so richtig. Bin fast selbst aus dem Sattel geflogen. Nein, so war es natürlich nicht. Aber da war heute so ein komplett dicht gemachtes Auto, das schon sichtlich viertelweise auf der durchgezogenen Linie vom Radweg fuhr, ich insofern vorgewarnt war, und dann an der Ampel tatsächlich rechts abbiegen wollte und direkt auf den Radweg zog. Wo ich fuhr. Und da habe ich gebrüllt. Sehr laut, sehr sehr laut. Und ich fürchte, es war auch ein klitzekleiner Fäkalausdruck dabei (Der tat mir dann auch leid aber ich mag manchmal in in solchen Situationen, wenn es um mein Leben geht, nicht immer die Contenance bewahren.)

Jedenfalls habe ich so gebrüllt, dass die halbe Invalidenstraße stramm stand. Und die Fahrerin samt Beifahrerin – mit der sie lieber quatschte als auf den Verkehr zu achten – sind wirklich vom Sitz hoch gehüpft vor Schreck. Die macht die nächste Zeit erst mal wieder regelmäßig den Schulterblick. Und biegt auf ihrer Spur ab.

Mir ging es danach den ganzen Tag lang richtig super. Sich frei brüllen, wirkt manchmal Wunder.

Wo Apple Computer …

… wohl heute wäre, hätte Steve Jobs damals eine Marketingkompetenz (replace „SEOler”) erklärt, er solle mal bitte schön bei dem einen Thema „Personal Computer” (replace „Themenblog”) bleiben?

Aber zum Glück war Selbstbeschränkung durch das Schubladendenken anderer sein Ding nicht. Und darüber könnten Menschen, die im Online-Marketing arbeiten, ruhig nachdenken. Einfach nur frei und losgelöst denken, Barrieren im Hirn abbauen, sich selbst Weite gönnen; hinterfragen, warum man sich eigentlich selbst unnötige Barrieren baut?

Denn ohne Barrieren könnte man durchaus Erfolge generieren, deutlich größere Erfolge als wenn man immer nur mit dem Strom schwimmt. Natürlich benötigt es hierfür Mut, Vision und den Wunsch, nicht angepasst zu denken und zu handeln. Den Mut auszusteigen, gegen den Strom zu schwimmen und an die eigene Vision zu glauben – auch wenn diese Visionen gelegentlich für die breite Masse zu früh kommen (Newton PDA, Apple Cube).

2017-07-05

Fliegen!

Ich fliege unfassbar gerne. Schon die Anreise zum Flughafen kann ich genießen (vorausgesetzt die Öffentlichen spielen ein faires Spiel mit mir.) Und wenn ein Flug mit Umstieg vorgesehen ist – um so besser. Starten und Landen sind meine Kernkompetenzen im Spaß haben. Ich mag das. Es ist für mich Genuss pur und mit Sicherheit bereits der Einstieg in einen gelungenen Urlaub.

Die letzte Reise zurück führte uns vom Flughafen Brindisi nach Rom und von dort nach Tegel. Fensterplatz, den auf dem Hinflug hatte ich abgetreten. Und das war ein traumhaft schöner Flug, eine wunderschöne Aussicht in den Tag hinein.





Der erste Flug startete schon um sieben Uhr, so dass uns die Sonne die Welt in einem wunderschönen Licht servierte, sich eitel in den Seen spiegelte (und meine Kleidung sich in den Scheiben).





Die Aussicht war bis kurz vor der Landung klar, fast wolkenfrei und erst in Richtung Alpen schubste uns Petrus ein paar Schäfchenwolken in die Aussicht. Ich habe nur fotografiert und gefilmt, war danach wie beseelt und sehr entspannt. Glückshormone pur!





So wunderschön nimmt man ganz gerne Abschied!

2017-07-02

Sagt mal …

was genau lernen die heute eigentlich noch in der Schule?

2017-06-30

Ehe für alle!

Die Ehe für alle bedeutet lediglich, dass Menschen, die gleichgeschlechtlich lieben genauso konservativ leben dürfen und an den Grundwerten dieser Gesellschaft mit gestalten dürfen. Im Guten.

Ich freue mich sehr für dieses Land und all die Menschen, die nun demnächst hochoffiziell „Ja!” sagen dürfen zueinander.

2017-06-28

Heute …

… stand ich in der Küche und da waren auf der Straße Töne. Komische Töne. Sehr sehr komische Töne. Töne, die klangen nach … Not, Hilfe, nach Verzweiflung. Nach etwas ganz Schlimmen.

Unter dem Strich war es ein junger Mann, der Kopfhörer aufhatte und lauthals und sehr sehr sehr sehr sehr falsch mitsang. Es geht doch nichts über einen Stimmenbruch.

Aber das Schöne war, dass gleichzeitig mit mir, die ich aus dem Küchenfenster lauschte vom Balkon gegenüber ein Paar über die Reeling blickt und „Sie”* dabei offensichtlich vergessen hatte, dass sie zwar einen Schlüpfer trug (es ist heute etwas wärmer hier als im Rest der Republik) und sonst oben rum nix. Und das wiederum wirkte doch recht komisch. (Es ist in der Tat merkwürdig, kennt man Nachbarn nicht den Namen aber dafür die Art der Unterwäsche und Brustform.)

Und wie gerne würde ich diesem jungen Mann nun mitteilen wollen, dass sein Gesang (ohne Wertung) dazu geführt hatte, dass ihm eine halbnackte ältere (ohne Wertung) Frau hinterher gesehen hätte – was seinem pubertären Ego wahrscheinlich unheimlich gut tun würde.

Ach. Hach.

Es ist unglaublich, wie wirklich falsch Menschen singen können. Das birgt ein großes Charmepotential … muss man es nur wenige Minuten ertragen.

* SIE hat IHM übrigens später auf dem Balkon noch nie die Brust und Achselhaare rasiert. Was man noch alles sehen kann vom ersten Stock hoch in den Dritten.

2017-06-27

Hup' it, Baby!

Vorhin auf dem Weg zum Markt, kurz vor der Kottbusser Brücke. An der bekannten Stelle Abfahrt Mariannenstraße/Paul-Lincke-Ufer kleiner Verkehrsstau. Wie wir alle wissen, lösen sich solche Problemfälle im Straßenverkehr deutlich schneller, besser, effektiver, bunter, wenn man laut hupt. Nur die ganz besonders smarten Insider wissen, dass sich solche Problemfälle mindestens genauso schnell, gut, effektiv, bunt, wenn man nicht hupt.

Heute aber hatte einer gehupt. Daraufhin hupte jemand zurück. Und dann noch einer. Und noch einer. Und weil das so witzig wie bekloppt war, hupten noch ein paar. Nur so zum Spaß. Melodisch. Je mehr Autos auf die Brücke fuhren, um so mehr hupten. In Melodie, voller Lust und Freude am Hupen.

Plötzlich lachten alle. Das war schön. Also ruhig mal hupen. Aber lustig hupen!

2017-06-23

Scham

Wann habt Ihr Euch das letzte Mal geschämt? Also für Euch selbst? Weil Ihr etwas getan, gedacht oder gesagt habt?

Mir passiert das … nicht so selten. Womöglich aber sind auch die Ansprüche, die an mich selbst stelle, keine kleinen. Zum Beispiel muss ich mich ständig korrigieren, einfach weil ich ab und zu in alte Denkstrukturen verfalle, die ich längst habe hinter mir lassen wollen. Was mir aber nicht zufliegt, denn natürlich bin ich ein Produkt meiner Umwelt und meine frühere Umwelt hat eben anders gedacht als ich es über die Jahre später besser und anders vermittelt bekommen habe und dennoch bin ich vorher geimpft worden und bekomme die restlichen Spuren dieses Impfpräparates immer noch nicht ganz aus dem Körper und so passiert es, dass ich manchmal einen Gedanken habe, ganz passiv gedacht, den ich dann aktiv aus dem Gehirn schubsen muss, weil mein heutiges Ich ihn gar nicht denken möchte aber mein altes Ich mir einen Streich spielt. Geimpft.

Und dann schäme ich mich.

Oder neulich, da habe ich mich auch geschämt. So richtig geschämt. Weil ich angepasst war, fremd gesteuert. Mich in einer von z. B. einer Fernsehkultur ganz merkwürdig auf kulturelle Verhaltensweisen angepassten Meinung wiedergefunden habe, die ursächlich einfach falsch ist, nur falsch sein kann. Und da war ich schon auf dem Weg falsch zu handeln. Bis mir dann auffiel, dass hier etwas ganz falsch läuft und ich nur noch halb korrigieren konnte – aber dann da erst mal saß mit meiner Scham. An einem hellen, sonnigen, sehr heißen Tag. An einem fast perfekten Strand, an einem perfekten Meer in einem perfekten Moment. Bis meine Scham sich auf meiner Liege gemeinsam mit mir breit machte, ihre Nähe mir den Schweiß am Körper entlang liefen ließ und wir beiden gemeinsam aushalten mussten. Scham im Arm unter dem Sonnenschirm.

Und das kam so:

Ich war also in diesem Italien. Und so schön dieses Apulien eben auch ist, so zeigt es hier und dort eben auch genau jene Probleme, die wir hierzulande zu sehen bekommen. Menschen, aus fernen Ländern in eine bessere Zukunft flüchtend und damit ist nicht alleine eine wirtschaftliche bessere Zukunft gemeint, sondern überhaupt nur in eine Zukunft. Wer ab und an die richtigen Zeitungen liest, die richtigen Fernsehsender sieht, also solche, die schon lange auf Probleme anderer europäischer Länder mit Flüchtlingen aufmerksam machten, lange bevor Syrien ein Thema überhaupt war, der weiß, dass Italien schon sehr lange der Ort ist an dem Flüchtlinge anlanden, die sich aus Afrika auf den weiten Weg gemacht haben. Der kennt deren Lebensumstände, illegal, in Wäldern lebend. Seit Jahren. Sich mit irgendwelchen Jobs ein Leben zu verdienen versuchen, dort, in einem Land in dem ganze andere Menschen auch arbeitslos sind ohne Flüchtling zu sein, nicht die Landessprache zu sprechen.

Und so wird man als Journalist durch Apulien im klimatisierten Bus gefahren und man sieht sie stehen, an den Landstraßen, die hübschen Frauen, dunkelhäutig mit bunten Perücken, die dort das besondere visuelle Merkmal für eine öffentliche Dame zu sein scheinen. Mit hochgeschnürtem Dekolleté und kurzen Röcken stehen sie da den ganzen Tag in der prallen Sonne ungeschützt an Zufahrtsstraßen und signalisieren die Bereitschaft sexuelle Dienstleistungen anzudienen. Und bei aller – oder eben wegen aller – Aufklärung hat man ein Gefühl, diese Frauen sind ganz sicher nicht aus ihrem Land in eine ferne Heimat geflohen mit einer Vorstellung dort jemals im Straßenstaub in der Hitze auf unbequemen Schuhe zu stehen, die in dieser Landschaft unwirklicher nicht wirken könnten, und die sexuellen Vorlieben ihnen unbekannter Männer zu bedienen.

Und später als uns unser Ausflug an das Meer führt, wo wir wieder mit dem klimatisierten Bus bis fast an das Meer heran gefahren werden und uns vom Veranstalter die Liegen und Sonnenschirme bezahlt werden, damit wir dort drei Stunden eintauchen dürfen in das herrliche Nass, uns wie Touristen fühlen dürfen, die Wärme unter dem schützenden Schirm ganz gut aushaltend, da laufen dann dort die männlichen Pendants durch den Sand. Den ganzen Tag lang auf und ab in der Hitze, Tücher schwenkend, die mit orientalischen Motiven oder Strickbikinis ein bisschen heile kommerzielle Welt versuchen zu verbreiten. Die mit geschultem Blick sofort erkennen, wo ein Tourist gerade etwas interessierter auf das jeweilige Stück Stoff guckt und dann direkt auf diese zustürzen, immer eine Nummer zu überbereit und mit sehr gebrochenem Italienisch ihr zu verkaufendes Hab und Gut sofort auf die Liegen packen, magere Vielfalt offenbaren und ihre Produkten andienen.

Ich hatte die Männer natürlich schon vorher betrachtet und ihre Anwesenheit hatte die für mich organisierte Übersetzerin und mich längst in eine Diskussion über die Flüchtlingssituation in Italien und Deutschland manövriert, ein kleines bisschen absurd wirkten wir beide in diesem perfekten Moment, dabei ein Eis essend und jeder lernte vom anderen etwas über die Sozialleistungen des anderen Landes.

Da kam ein Mann heran, der eine dieser Decken in der Hand hielt, die bei mir sämtlich Konsumampeln ohne Zwischenphase auf grün stellte: Elefanten in rot und schwarz auf einer blau, fast türkis wirkenden Decke mit Ornamenten. Und während ich sie schon lautstark aus der Ferne bewunderte, fragte ich meine Begleitung, was diese Decke wohl kosten würde und sie antwortete „Die meisten nehmen 15 Euro aber Du musst handeln!” und ich fragte, was man generell so bezahlen solle, was sie mit dem Tipp von üblicherweise zehn Euro zurück gab.



Handeln. Ja. Nun ist bekannt, dass in Ländern mit reichen Touristen ein Handel floriert, weil die einen schöne Dinge haben, die in der Sonne und Urlaubslaune viel heller leuchten, schöner strahlen und plötzlich ganz wichtig zu besitzen scheinen. Und Menschen diese Dinge anbieten, die oft Designnamen tragen, dessen Hersteller nichts mit ihnen gemein hat, man verkohlt wird, man diesen Straßenhändlern nichts glauben soll, dass die Ware, die sie verkaufen viel zu teuer sind für im Vergleich … ja zu was eigentlich im Vergleich? Weil eine Porsche-Brille am Strand gekauft für sehr wenig Geld gar keine originale Porsche-Brille ist? Das wissen wir doch mittlerweile wohl alle, dass wir ein Fake kaufen – so bewusst – dass man nun wirklich nicht mehr sagen kann, man wäre dabei einem Fake aufgesessen.

Aber dieses Produkt hier am Strand ist da und es wurde produziert. Und es wurde genauso von Menschen doch auch produziert wie wohl auch die hochwertigeren Produkte, denen zumindest die ordentlichen Verträge erlauben unter einem echten Designernamen vertrieben zu werden, was längst nicht mehr heißen muss, dass sie aus hochwertigerem Material oder unter besseren Arbeitsbedingungen wirklich produziert worden sind.

So hatte also der dunkelhäutige Deckenverkäufer an diesem Strand natürlich sofort entdeckt, dass sich zwei Frauen über ihn und seine Ware unterhielten und steuerte direkt auf uns zu einen Psalm italienischer Worte auf uns niederprasselnd, die ich mit etwas Englisch abwerte, während meine Begleitung, denn ich hatte im Vorfeld meinen Kaufwunsch ihr gegenüber geäußert (Elefanten! Auf türkisfarbiger Decke!), anfing mit ihm in das übliche Preisritual der Strandgeschäfte einzusteigen, sinngemäß: „Was soll die Decke kosten?” „Fünfzehn Euro.” „Ah, das ist zu viel! Wir zahlen zehn Euro!” „Nein, das ist zu wenig, zwölf Euro.” Und dann machte er relativ schnell klar, dass er seine zwölf Euro sich nicht unterbieten lassen würde. In der Zwischenzeit zeigte er mir alle verfügbaren Elefantendecken, die er bei sich führte – bzw. andere Motive. Aber die interessierten mich alle nicht, weil ich doch nun mal meine Liebe längst den rot-schwarzen Elefanten auf der türkis gefärbten Decke geschenkt hatte – was er nicht wissen konnte. Und weil er so früh uns diktieren wollte, dass er unter zwölf Euro sich nicht handeln lassen wollte, sagte ich leicht arrogant „Okay!” und gab ihm all die Decken zurück, als Zeichen, dass ich nicht für zwölf Euro kaufen wollte. Was er aber missverstand und mein „Okay!” als Zusage missdeutete.



Und da – ganz plötzlich – es schoss mir wie ein Blitz in den Kopf, da schämte ich mich! Auf so vielen Ebenen, die kann ich Euch gar nicht alle erklären. Ich schämte mich, weil ich überhaupt gehandelt hatte, denn was ich da in den Händen gehalten hatte, das war kein leichtes Badetuch, das man sich um den Körper wickelt. Es war eine feste, dicke und sehr große, aus einer dichten schweren Baumwollen, fast Leinen, hochwertig bedruckte Decke – und diese Decke war deutlich mehr als nur 15 Euro wert. Mir wurde klar, was das für ein – im Grunde – mieser Preis schon war, denn es war eben gar kein mangelhaftes Produkt aus billigem Stoff.

Diese Decke war ihr Material wert, sie war ihre kunstvolle Gestaltung wert, sie war es verdammt noch mal wert, dass man dies alles bezahlt: dass man die Menschen bezahlt, die die Baumwolle ernteten; dass man die Menschen bezahlt, die den Stoff webten, dass man die Menschen bezahlt, die in den Ländern in der giftigen Kloake stehen, wo solche Stoffe gefärbt und bedruckt werden, dass man die Menschen bezahlt, die für den Transport sorgen, dass man die Menschen bezahlt, die den ganzen Tag im Kaftan an Stränden hoch- und runter laufen müssen in sengende Hitze und auf die Blicke von Touristen achten müssen oder Handzeichen erkennen müssen, um sich jedes Mal dieses gottverdammte Spiel einer Pseudohandelei geben müssen, nur weil in irgendwelchen Tourismusführern steht, man sollte ja bloß handeln, sonst würde … ja, was eigentlich? Würden diese Menschen nach Hause gehen und sagen, „die waren so blöd und haben diese hochwertige Decke immer noch viel zu billig für den Einstiegspreis von 15 Euro eingekauft?

Ich habe mich geschämt, weil ich im Grunde ab dem Moment in dem ich den Stoff das erste Mal berührt hatte, hätte sagen müssen „Hier, da sind die 15 Euro!” und gut ist es, weil ich – spätestens seit ich selber nähe – doch weiß, was ein guter Stoff kostet. Und dass 15 Euro für 2 x 2 Meter einfach spottbillig sind. Und ich weiß, dass ich in den dementsprechenden Läden hier in Berlin für Decken ähnlicher Qualität mindestens das Fünffache ausgeben würde.

Ich habe mich geschämt, auch weil für mich 15 Euro durchaus 15 Euro sind aber ich eben in der glücklichen Lage bin in einem Land in einem Wirtschafts- und Sozialsystem zu leben, wo man 15 Euro haben kann, weil man überhaupt Geld erhält – was in anderen europäischen Ländern nicht der Normalfall ist und da gehört Italien durchaus auch dazu. Wo man trotz aller Not ein Zuhause haben kann. Von meinen persönlichen glücklichen Umständen diese Reise überhaupt machen zu dürfen, dort am Strand zu liegen, in diesem wundervollen Meer zu baden, ganz abgesehen.

Man, habe ich mich geschämt! Und dann habe ich mich nicht einmal getraut ihm doch die 15 Euro zu geben, weil ich ihm meine Gedanken so in der Kürze gar nicht hätte erklären können, meiner Begleitung auch nicht und ich Sorge gehabt habe, ihn eventuell dann auch noch in seinen Stolz zu verletzen.

Ich möchte mich nicht mehr schämen müssen, nur weil irgendwo steht man solle in fernen Ländern bloß handeln, weil man das eben so tut oder weil man angeblich für sein Geld keine Qualität erhält. Doch man erhält Qualität! Man erhält immer etwas für das andere Menschen geschwitzt, gearbeitet und gelitten haben – und am Ende noch dafür am wenigsten etwas zurück gegeben bekommen.

Tally liebt die Decke übrigens auch so wie ich. Diese Elefanendecke kann so viel bewegen: Katzen glücklich machen, Menschen sich schämen lassen, Menschen demütig machen, sie zum Nachdenken bringen, Entwicklungen bei ihnen anstoßen.

2017-06-21

Shiinchen …



hat letzte Woche ein sehr liebes Futterpaket via Wunschliste geschickt bekommen und liegt daher anmutig auf dem Balkon und guckt niedlich. Ich habe auch ein liebes Wunschpaket bekommen und gucke daher auch sehr niedlich, sehe aber weniger anmutig aus, weswegen ich mich besser nicht fotografiere.

Wir sagen aber alle beide DANKESCHÖN!

Die Oma ist tot

Die Oma meiner Freundin ist kurz nach Ostern gestorben. Ihr erinnert Euch?

Weihnachten hatte meine Freundin schon so ein Gefühl aber da haben wir sie mit vielen Besuchen, ebenso vielen Sprotten (Omas Lieblingsessen) und ein paar ordentlichen Hinterntritten in des im gleichen Haus ansässigen, gerne die elektronischen Gesundheitskarten der älteren Damen der Demenz-WG sich auf sein Konto buchen lassende, sich sonst aber nicht weiter um die Damen kümmernde Hauarzt, der sich dann doch nach einige Szenen ihrer Schmerzen medikamentös annahm, wieder hinbekommen. Und zwar ohne großes Untersuchungsgedöns, die Enkeltochter (und da bin ich inhaltlich voll bei ihr), war nämlich der Meinung, dass es überhaupt nicht von Interesse ist, ob die Dame nun mit 103 Jahren ein Magenkarzinom eventuell hätte oder nicht. Das man ihr einfach Schmerzmittel geben sollte und gut ist es die wenige Zeit, die sie aus offensichtlichen Gründen noch leben würde.

Oma wollte unbedingt noch 105 Jahre alt werden. Denn sie wollte unbedingt den Köpenicker Bürgermeister treffen, weil sie ihm ein paar Dinge zu sagen hatte. Darauf hatte sie sich schon sehr zu ihrem 100. Geburtstag gefreut, da ließ aber das Bürgermeisteramt verlauten, der Bürgermeister käme nun nur noch zu den 105-Jährigen, ihm würden zu viele Leute mittlerweile 100 Jahre alt werden, das bekäme er nicht mehr im Terminplan unter. Tsja, nun kann er Oma nicht mehr kennenlernen, diesen klugen, direkten, herzlichen, immer die Wahrheit sagenden Menschen. Wer keine Zeit hat, versagt sich damit durchaus Chancen!

Im Februar ist Oma dann doch noch 104 Jahre alt geworden. Immer stolz darauf eigentlich noch die Fitteste in ihrer WG zu sein. Was sie – zumindest immer dann, wenn ich da war – auch wirklich war. Ihre Enkeltochter hat sie immer erkannt, die war ihre große Liebe. Mich guckte sie immer an als wäre da im Hintergrund etwas gewesen. Aber schlussendlich kam ich immer mit der Enkeltochter, also musste ich okay sein. Und ich kümmerte mich und machte Späße mit, was war es da von Interesse, ob sie sich an mich erinnerte oder nicht? Es war zu schön zu sehen, wenn die beiden, Oma und Enkeltochter, sich in die Augen guckten und ihre Witze rissen voller Liebe, Vertrauen und Zärtlichkeit, da ist einem das Herz übergeblubbert vor lauter Freude. Was für ein Glück, sie zusammen zu sehen.

Oma hatte eines Tages schwarzen Stuhl, was soviel bedeutet wie Blut im Stuhl und die Pflege ist dann angewiesen dafür zu sorgen, dass die ihr anvertrauten Menschen bestmögliche ärztliche Versorgung erhalten, also sorgten sie für die Einweisung ins Krankenhaus. Dort stellte man nach unangenehmen Untersuchungen fest, die Oma nun natürlich nicht verstehen konnte, dass sie Blutungen im Magen hätte und man fing an die im Sterbeprozess aufgehenden Gefäße unter Betäubung zu veröden.

Das war der Moment als meine Freundin endlich davon erfuhr, ihrerseits ins Krankenhaus fuhr und Himmel und Hölle heiß machte, damit Oma wieder zurück in ihr Zuhause gebracht wurde zum friedvollen Sterben. Sich öffnende Gefäße sind bei einer so alten Dame ein Zeichen des Abschieds. Da kann man natürlich noch monatelang die Frau quälen und immer wieder veröden (stellt Euch selbst an dieser Stelle mit 104 Jahren vor, wie man Euch regelmäßig den Schlauch in den Magen schiebt und während der Spiegelung verödet. Vielleicht betäuben sie Euch, vielleicht auch nicht. Kostet ja Geld, bis wir so alt werden, werden wir der Gesellschaft noch weniger wert sein als heute schon uns die alten Menschen in dem kaputt gesparten Pflegesystem.)

Die Familie fand das mit dem Krankenhaus gut, denn da war Oma doch versorgt. Meine Freundin hatte wohl einen leicht entgleisenden Moment als die Ärztin ihr hinsichtlich der gewünschten Entlassung entgegnete, dann würde die Oma aber jetzt sterben. Nach dem entgleisten Moment hatte diese dann auch verstanden, dass das durchaus ein unumstößlicher Lebensmoment sein könnte bei einer so alten Frau, den man sie in Würde zu Hause beschreiten lassen könnte. Manchmal liegt es in der Verantwortung der Angehörigen die Ärzte aus ihrem Heilzwang zu holen, dieser permanente Auftrag Menschen zu behandeln, zu heilen, der lässt Ärzte manchmal den Blick wohl auf die Realität verlieren. Angehörige, die das Sterben einer 104-Jährigen für sich ausklammern und unmögliche Erwartungen stellen, machen da die Arbeit nicht angenehmer. Man sollte sich der Verantwortung für einen Menschen, auch will man ihn nicht gehen lassen, durchaus bewusst sein.

Oma kam wieder in ihr Zuhause zurück, das ihr die Demenz-WG über die letzten Jahre geworden war und nahm der Enkeltochter das Versprechen ab, sie nicht alleine zu lassen. Und so blieben die beiden die letzte Woche mehr oder weniger – von Besuchen ihres Ehemannes, ihres Sohnes also Omas Urenkel und dem Hund – für sich und meine Freundin blieb bei ihr und begleitete sie rund um die Uhr. Ab und an guckten verschreckte Pfleger oder souveräne Pfleger rein, waren aber alle sichtlich froh mit der Aufgabe nicht alleine gelassen zu sein.

Der Rest der Familie ließ Oma alleine sterben. Obwohl meine Freundin – die nun im Hospiz arbeitet und daher durchaus weiß, wann sie einen sterbenden Menschen in seiner finalen Phase vor sich hat – ihnen sehr deutlich machte, dass Oma nun tatsächlich gehen wird. Der Rest der Familie meinte, Oma sei doch in guter Pflege in der Wohngemeinschaft. Gute Pflege bedeutet in dieser WG – und das wussten sie alle – dass dort ein Pfleger für sechs Personen alleine zuständig ist, von denen sich einige der Damen nicht mehr alleine bewegen können. Dass ein Pfleger in einer solchen WG nicht zwangsläufig Erfahrung mit dem Sterben hat (meist werden die Patienten dort, wenn es ihnen schlechter geht, in die Vollpflege in ein Pflegeheim übergeben), dass so ein Pfleger überhaupt keine Zeit hat am Bett zu sitzen und einer Sterbenden die Hand zu halten. Dass die Pfleger wohl nur ab und zu in das Zimmer gegangen wären, die Frau sicherlich liebevoll wie üblich versorgt hätten mit den nötigen Dingen, aber dass sie nun mal keine palliative Pflege machen könnten. Mindestens wegen dem Zeitmanagement.

Diese Familie, alle beiden Töchter, Enkel und Urenkel hätten die Oma dort (oder im Krankenhaus) alleine sterben lassen. Leute, die sich keinen Kopf machen, was es heißt, wenn in einem Altersheim eine Nachtschicht 60 Leute alleine versorgen soll, glauben an eine gute Pflege hierzulande. Im Vergleich zu vielen Altenheimen in diesem Land, wäre Oma vielleicht sogar dort noch richtig gut betreut gewesen. Niemand aus dieser Familie hatte bei Omas (unwürdiger) Beerdigung meine Freundin gefragt, wie Oma gestorben sei oder etwa, wie es meiner Freundin damit ginge. Sie war ja „in guter Pflege.”

Bei meiner Freundin hängen Fotos am Kühlschrank, die sie mit Oma zeigen. In ihrem Sterbebett. Beide gucken bei Oma im Bett auf diesen Fotos ganz fröhlich und lachen in die Kamera. Oma war ja nicht die ganze Zeit weggetreten, Oma schlief viel, Oma atmete zum Schluss schwer, Oma war aber zwischendurch immer wieder wach und machte Späße und wünschte ihrer liebsten und zu ihr immer so zuckersüß gewesenen Enkeltochter alles Liebe und dass sie immer glücklich sein möge! Oma hatte bis zum Schluss immer noch Liebe zu geben. Vielleicht hätte sie diese Liebe auch noch einmal mit ihren Töchtern, anderen Enkeln und Urenkeln geteilt und ihnen mit auf den Lebensweg gegeben. Aber diese besondere Chance der Liebe hat sich der Rest der Familie versagt. Und das ist es, was ich Euch mit diesem Text auf den eigene Weg geben möchte: Sterben kann manchmal viele schöne Dinge für das Leben der Anderen bewirken. Versagt Euch und Euren Angehörigen das nicht aus falscher Angst heraus!

Sonntag früh ist Oma dann eingeschlafen.

Ich bin traurig, dass ich nicht bei ihr sein konnte, weil ich an dem Wochenende nun gerade in Apulien war. Ich hätte gerne meine Freundin unterstützt und wäre gerne an der Seite dieser ganz besonderen, so liebevollen Frau gewesen, die so viel Liebe in ihre Enkeltochter verpflanzt hatte und ihr sehr viel von ihr mitgegeben hatte. Und die sie sehr sicher in den letzten Tagen sehr liebevoll begleitet und gut gepflegt hatte.

2017-06-20

Bed n' Breakfast I Tre Olivi, Guagnano



Der jüngste Aufenthalt in Apulien war vor allem der kleinen Gemeinde Guagnano gewidmet. Einer sehr kleinen Stadt mit knapp 6000 Einwohnern, die in Apulien im Salento in der Provinz Lecce liegt, knapp 20 Kilometer von der gleichnamigen Provinzhauptstadt Lecce entfernt. Guagnano liegt so etwas von mittig im Salento, zum Ionischen Meer sind es ca. 20 Kilometer wie auch zum Adriatischen Meer. Rund um und in Guagnano wird vorrangig Wein produziert, wir sollten in den nächsten Tagen noch viel Weinproduzenten besuchen und kennenlernen. Doch zunächst landeten wir nach einem etwas längeren Flug von zwei an der Insolvenz kratzenden Fluggesellschaften zuvorkommend betreut auf dem Flughafen Brindisi und hatten ein sehr lustiges Intermezzo, weil wir uns zunächst vom falschen Fahrer mitnehmen ließen.

Aber dann wurden wir im üblich zackigen italienischen Fahrstil, den ich so sehr wertschätze, schön eng hintereinander gereiht (keine Sekunde glaube ich an einen Erfolg von autonom fahrenden Autos in Italien) durch die Gemeinde Lecce gekurvt, die auf dem ersten Blick einen deutlich ärmeren Eindruck hinterlässt als ich ihn bei unserer Landung auf dem Flughafen Bari und Fahrt nach Ostuni hatte. Was nichts heißen muss.

Uns wurde vorab mitgeteilt, wir würden in einem Bed & Breakfast untergebracht werden. Zwei Journalistinnen aus Rom, eine weitere Mitreisende aus Berlin und ich, wir wurden in eines gefahren, das knappe drei Kilometer vor der kleinen Stadt liegt – der Bus hielt und wir wurden hinter der sich öffnenden Automatiktür von Rosalba Cairo und später ihrem Mann Franco empfangen mit einer Herzlichkeit, die ihresgleichen sucht, im: Casolare I Tre Olivi!



Was, wie sich später zeigte, ein wirklicher Glücksgriff war.





Ein wundervoll angelegter Garten mit eben jenen drei alten Olivenbäumen, die, mit weißen Steinen umrundet, das Zentrum des vorderen Gartenteils bilden, der mit einem großen Maulbeerenbaum, Guavenpflanzen



und noch viel mehr Grün ausreichend Schatten spendet. Einer der Steinkreise dient als Haus dieser Anwohnerin:





Dem öffentlichen Garten gegenüber liegt die Granatapfelplantage



umsäumt von weiteren jüngeren Olivenbäumen des I Tre Olivi.



Beide Anlagen getrennt von einer Auffahrt, die zum – wie die meisten Häuser im Salento äußerlich wenig spektakulär aber hochwertig restauriert wirkenden Wohnhaus führt.

Rosalba führte die beiden italienischen Journalistinnen in den hinteren Bereich des Gartens, sie waren in den beiden Apartments in der kleinen Remise einquartiert,



bat uns um etwas Geduld und führte uns kurz darauf durch ihren wundervollen und typisch italienischen Palazzo mit dicken Mauern, die angenehme Kühle spenden aus viel hochwertigem Stein und in seinem Inneren viel reizvoller wirkte als es von außen den Anschein hatte.



Eingerichtet mit viel Stil und Talent – vor allem die Antiquitäten, das erfuhren wir später, hatte Franco, Rosalbas Ehemann, selber augearbeitet. In einem der Zimmer im Haus werden noch unbearbeitete Raritäten gelagert und hinter dem Haus im großen Nutzgarten in seiner Werkstatt wieder zu echten Schmuckstücken gebeizt, geschliffen und geölt. Wer hier Urlaub macht, sollte besser gleich mit einem großen Fahrzeug kommen, denn es kann gut sein, dass man sich in eine der Antiquitäten verguckt.



Unsere beiden Gastgeber tun die Dinge mit viel Liebe und Herzlichkeit, genauso wurden wir von ihnen empfangen. Beide, nun im Rentenalter mit sechs Enkelkindern, das Siebente kommt im Oktober, haben in den letzten Jahren das mehr als restaurierungsbedürftige Haus mit ihren eigenen Händen wieder aufgebaut und wohnbar gemacht, mit viel Begeisterung die Gärten angelegt und sind so größtenteils zu Selbstversorgern geworden. Alles machen sie mit Freude und Leidenschaft, das spürt man, das zeigen Garten und Haus und so fühle ich mich als ihr Gast sehr willkommen!

Rosalba, die als typisches Gastarbeiterkind die ersten zwölf Jahre ihres Lebens in der Nähe von Nürnberg zur Schule ging, spricht übrigens immer noch hervorragend Deutsch, Franco spricht Italienisch und mit seinen Augen.



Der kleine lustige Hund bellt noch am Anfang und akzeptiert einen sofort freundschaftlich, sobald man seinen Bauch streichelt.



In Francos Werkstatt (rechts im obigen Bild) hatte die Hofkatze gerade ihre Jungen bekommen, direkt im angrenzenden Stall legen die Hühner die Eier, die wir morgens zum Frühstück in jeder gewünschten Form auf den reich gedeckten typisch italienisch süß gehaltenen Frühstückstisch serviert bekommen. Rosalba hat uns jeden Wunsch zum Frühstück von den Augen abgelesen.



Wir frühstückten immer draußen, je nach Uhrzeit und Hitzegrad unter der Markise seitlich oder unter dem schattigen Baum hinter dem Haus, immer wieder woanders, dieser große Garten macht es möglich.






Unsere Gastgeber leben ein echtes Bed & Breakfast-Leben, hier bucht man nicht nur die Zimmer – man lebt gemeinsam, wenn man das möchte. Ich fühle mich hier als sehr willkommener Gast, ein bisschen wie eine alte Freundin der Familie. Die Apartments in der Remise haben kleine Küchen, im Garten können der Grill und Holzkohleofen



mitbenutzt werden, die neu geschaffene Lounge im Garten lädt zum abendlichen Verweilen ein,



im Garten steht – nicht nur für die Enkel – eine Schaukel. Wer Lust hat, kann im Garten helfen. Wir reden in der (viel zu wenigen Zeit, die wir im Haus sind) viel über Land, Landschaft, Leute, Rosalba besorgt mir den leckeren Kaffee, der mir zum Frühstück so lecker schmeckt und zeigt mir stolz den Garten, wo unzählige viele Tomatenpflanzen stehen und die letzten Artischocken an den Pflanzen warten und die Obstbäume erste reife Früchte zeigen.





Franco schenkt mir zum Abschied liebenswerterweise noch einen seiner Granatapfelbaum-Setzlinge und schneidet mir Äste von der Maulbeere, die ich hoffentlich hier zum Wachsen überreden kann. Hätte ich Flaschen mit im Flugzeug transportieren dürfen, hätte ich mich sehr sicher noch von ihrem Olivenöl eingekauft.



Das Haus hat mehrere Zimmer von denen die Mitreisende ein großes Zimmer mit Balkon und Bad en suite bewohnen darf und ich ein riesengroßes Zimmer mit Empore, die als Zuwegung zu einer ebenfalls riesigen Sonnenterrasse dient,



während links neben der Tür eine Treppe hinunter in einen großen Raum führt, wo mein Bett steht.



Ich blicke von der Terrasse weit über das Land – vor allem über die große Landflächen der Cairos.





Das gleichfalls große Bad mit Jacuzzi liegt direkt neben dem Zimmer mit nur einem Schritt über einen Flur zu erreichen. Ich fühle mich sehr privilegiert hier wohnen zu dürfen! Alles ist sehr sauber und Rosalba lässt es sich nicht nehmen, sich jeden Tag um die Zimmer und Bäder zu kümmern. Im Bett falle ich sofort in den Schlaf nach den langen Tagen, von der Hitze draußen gänzlich unbehelligt.



Im unteren Teil des Hauses gibt es viele Bereiche





in denen man sich gemütlich aufhalten kann, eine große frei stehende Küche ist das Verbindungsglied der unteren Fläche – und wer würde hier nicht sofort sein Kochbuch produzieren wollen?



Rosalba und Franco Cairo haben hier ein Bed & Breakfast geschaffen in dem man sich sehr gerne aufhält und Ruhe tankt und das so zentral gelegen ist, dass man die wichtigen Städte, Sehenswürdigkeiten, das Meer und Hafenstädte, wie das schöne Porto Cesareo mit seinen vielen Fischläden, des Salento in wenigen Minuten mit dem Auto erreichen kann. Die Zimmer mit Frühstück kosten für zwei Personen 70,—/Nacht.

Ich, für mich gesprochen, würde dort sofort wieder Urlaub machen wollen, Granatäpfel ernten und mit Rosalba Marmelade einkochen. Der Aufenthalt bei den beiden hat meinen Ausflug in den Salento ganz rund und schön gemacht!

Casolare I Tre Olivi – Bed & Breakfast
Franco und Rosalba Caio
73015 Salice Saleneto (LE)

Zu buchen:
E-Mail: cairofamiglia@yahoo.it
Telefon: 00393 47 29369

Disclosure: Drei Tage durfte ich auf Einladung der Europäischen Gemeinschaft, der Region Apulien, die Gemeinde Guagnano und der Kultur- und Tourismuszeitschrift “Mediterraneo Spiagge” zu Gast sein im Salento, um Apulien und seine Menschen kennenlernen. Und erlaube mir nun Euch mitzunehmen auf meine (viel) zu kurze Reise.